Home

Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015 – Analysen und Empfehlungen

 

 

Umgang mit Vielfalt in den Focus nehmen, Zielorientierung stärker im Blick haben, Professionalisierung der Akteur/innen weiterführen, strukturelle Probleme bei der Ressourcenzuteilung beseitigen - dies sind einige der zentralen Botschaften einer Gruppe von Wissenschaftler/innen, deren Analysen und Empfehlungen zu bildungspolitischen Schwerpunktthemen nun in zwei Bänden vorliegen.

An der KPH Graz wurde der Nationale Bildungsbericht Österreich 2015 am 29. September 2016 im Rahmen eines Symposiums in Auszügen vorgestellt und diskutiert. KPH Graz Vizerektorin Dr.in Andrea Seel und Michael Bruneforth, MA, Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens, BIFIE, gaben eingangs als Mitherausgeber/innen einen Überblick über die Schwerpunktthemen des Berichts

David Wohlhart, KPH Graz, berichtete als Leadautor Kapitel 1, Band 2, über die aktuelle Situation der österreichischen Volksschule und stellte gleich zu Beginn fest: „Die Kinder gehen gerne in die Volksschule. Das Wohlbefinden in diesem Schultyp sehr groß“.

Als erste, grundlegende und gemeinsame Schule übernimmt die Volksschule die zentrale Aufgabe, eine Basis für alle Kulturtechniken grundzulegen. Ob Bildung als frühindustrielles Fließband wahrgenommen wird, das für alle mit dem gleichen Tempo läuft, aus dem an definierten Stellen durch die Qualitätssicherung Kinder ausgeschieden oder zurückgereiht werden, oder als gemeinsame Entdeckungsreise in eine Welt, die sich durch Bildung immer vielfältiger erschließt, zeichnet sich schon in der Volksschule ab.“

Schule hat den Auftrag, Kindern einen breiten Bildungshorizont zu vermitteln und für Chancengerechtigkeit zu sorgen. Bildungsstandardergebnisse deuten an, dass die Volksschule bereits eine Risikogruppe von 10 bis 15 % entlässt, die in grundlegenden Bereichen erhebliche Defizite aufweist, ein Versäumnis, das später kaum aufholbar ist.

Handlungsempfehlungen aus Expert/innensicht, Details sind in der Präsentation nachzulesen: 

  • Schuleingang selektionsfrei gestalten
  • Inklusion ausbauen
  • Unterrichtszeit effektiver gestalten
  • Ressourcenzuteilung sozialindexbasiert steuern
  • Prozessstandards für die Weiterentwicklung festlegen

Auch die Pädagogischen Hochschulen sind gefordert - vermehrte Grundschulforschung ist gefragt.

Dr.in Elfriede Schmidinger, Leadautorin Kapitel 2, Band 2, erinnert in ihren Ausführungen zunächst an die gesetzlichen Grundlagen der Leistungsbeurteilung und deren Funktionen summativ und formativ. Als Schlüsselstrategien eines effektiven, formativen Assessments, welches als Brücke zwischen Lehren und Lernen zu betrachten ist, nennt sie u.a.

  • Lernziele und Erfolgskriterien mit den Lernenden klären,
  • Effektive Diskussionen, Fragen und Aufgaben arrangieren, die zu beobachtbaren Lernspuren und -ergebnissen führen,
  • Schüler/innen ermöglichen, einander als Ressourcen zu nutzen.

Zentrales Element in diesem Prozess ist effektives Feedback an die Lernenden. Feedback, welches rechtzeitig erfolgt, auf die Lernziele fokussiert, die momentanen Stärken beschreibt, Verbesserungsanregungen bietet und die Selbstbewertung unterstützt. Es soll weder überfordern noch den Schüler/innen das Denken abnehmen. Jene sollen für das eigenen Lernen Verantwortung übernehmen, lösungsbezogenes Feedback bringt sie voran.

In der Grundschule sind verschiedene alternative Formen der Leistungsbeurteilung in Anwendung und Entwicklung. Wenn es um den Einsatz von verbalen Beurteilungen, Portfolios, Pensenbüchern, ... geht, gibt Schmidinger den Pädagog/innen eine klare Botschaft mit: „Alternativ heißt noch nicht formativ.“

Dieses Symposium ist der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, die in Kooperation der KPH Graz mit dem Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens, BIFIE, und der Pädagogischen Hochschule Steiermark, PHST, durchgeführt wird. Weitere Workshops werden folgen, so z.B. am 6. Dezember 2016 an der PHST.  

Bericht und Fotos: Elisa Kleißner, KPH Graz

Downloads:

NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016
NBB2016