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19.09.2016 Kategorie: Veranstaltungen

Inklusion ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Annähernd 300 Interessierte nahmen an der Tagung „Inklusive Bildung – Wege in die Zukunft“ teil.


 

Bei der wissenschaftlichen Fachtagung „Inklusive Bildung – Wege in die Zukunft“, organisiert von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz, der Pädagogischen Hochschule Steiermark und der Universität Graz, wurden aktuelle Forschungsbefunde und -projekte aus der Steiermark, aus ganz Österreich und dem europäischen Ausland vorgestellt und diskutiert.

 

Grundtenor des Symposiums: Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen und internationale Vergleiche zeigen, dass eine Schule ohne Ausgrenzung von Kindern mit Behinderung oder anderen besonderen Bedürfnissen Vorteile für alle Beteiligten bringt.

 

KPH Graz Rektor Siegfried Barones resümierte die Geschichte der Integration/
Inklusion in der Steiermark und stellte fest: „Eine machtvolle Bewegung von engagierten Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Er zitierte aus dem Salamanca Statement der UNESCO, 1994: Das Leitprinzip „Bildung für alle“ besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Barones: „Eine inklusive Gesellschaft muss in hohem Maße vom Prinzip der Kooperation, der Solidarität und der sozialen Kompetenz geprägt sein. Diese müssen ebenso aus-gebildet und gefördert werden wie die genannten kognitiven Fähigkeiten, soll der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht zugunsten eines brutalen Verdrängungswettbewerbs verloren gehen.

 

 

 

Bei ihrem einleitenden Vortrag stellte Dekanin Univ.-Professorin Barbara Gasteiger-Klicpera, Leiterin des Arbeitsbereiches für Integrationspädagogik und heilpädagogische Psychologie, neueste Forschungsbefunde vor: Mehrere große Studien zeigen, dass die Schulleistungen von Schülerinnen und Schülern mit Lernbehinderung in inklusiven Klassen besser sind als die von Schülerinnen und Schülern in Sonderschulen. Sie fühlen sich wohler und integrierter, sind häufiger in betrieblicher Berufsausbildung und haben bessere berufliche Chancen. Fundierte Belege gibt es auch dafür, dass die Leistungen der SchülerInnen ohne Behin-derungen in diesen Klassen keineswegs leiden, sofern ausreichende Ressourcen zur Verfügung stehen. Das soziale Klassenklima ist in den inklusiven Klassen besser. 

 

PHSt-Rektorin Elgrid Messner betonte, dass sich mit der im vorigen Winter-semester gestarteten PädagogInnenbildung NEU auch die Lehrerbildung den Anforderungen der Inklusion angepasst hat. Es gibt keine eigene Sonderschul-lehrerausbildung mehr, sondern alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer erwerben die nötigen Grundkompetenzen. Eine Vertiefung in inklusiver Pädagogik ist im Rahmen von Schwerpunkten oder Spezialisierungen möglich. Messner: „Wenn Inklusion gelingen soll, bedarf es der Unterstützung aus allen gesell-schaftlichen Bereichen“. Dafür sei die Steiermark als „Wiege der Inklusion“ ein Vorbild.  

 

Für  Franz Wolfmayr, den Präsidenten des Europäischen Dachverbandes der Dienstleistungsanbieter für Personen mit Behinderung, „beginnt Inklusion mit der Geburt. Wir brauchen Inklusion vor, während und nach der Schule“. Er verwies auf die neue Definition der UN-Behindertenrechtskonvention: „Behinderung ist das, was die Gesellschaft verursacht, wenn sie nicht schafft, alle teilhaben zu lassen.“

 

 

David Wohlhart, Professor und Inklusionsverantwortlicher an der KPH Graz, und Andrea Holzinger, Institutsleiterin und Verantwortliche für Inklusion an der PH Steiermark, bezeichneten die Tagung wegen der dort präsentierten positiven Forschungs- und Evaluationsergebnisse als „wichtigen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Inklusion in der Steiermark“. Das erklärte Ziel: Die flächendeckende Umsetzung der Schule ohne Ausgrenzung.

 

 

Auf der Website www.inklusion-stmk.at werden die Präsentationen der Vortragenden und Workshopleiter/innen laufend ergänzt. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit der Nachlese.

 

 

 

Bilderreigen von den Workshops an der KPH Graz und der Podiumsdiskussion:

Bericht und Fotos: Elisa Kleißner, KPH Graz